Der Jahresbeginn ist für viele ein Moment des Innehaltens. Neue Vorsätze entstehen und doch geraten sie im Alltag oft schnell wieder in den Hintergrund. Achtsamkeit kann helfen, diesen Vorsätzen mehr Tiefe und Beständigkeit zu geben.
Achtsamkeit ist eine Tugend, die uns das „Hier und Jetzt“ ganz bewusst und, wenn möglich, ohne Beurteilungen oder Wertungen wahrnehmen lässt. Wir richten unsere Wahrnehmung auf das, was genau in diesem Moment ist oder geschieht, und üben uns darin, Gedanken des Vergleichens loszulassen. Diese Gedanken holen uns häufig in die Vergangenheit zurück oder projizieren das Erlebte in die Zukunft. Achtsamkeit wird dabei weniger über den Verstand gesteuert, sondern über das bewusste Erleben mit Gefühlen und Körperempfindungen.
Viele Menschen berichten, dass sie im Alltag oft unachtsam sind, Details ausblenden und selbst wichtigen Dingen nicht gewahr werden. So können beispielsweise zwei Menschen ein und dieselbe Situation, etwa einen gemeinsamen Urlaub, erleben und sich dennoch stark darin unterscheiden, was sie wahrgenommen haben. Die Erzählungen weichen dann so deutlich voneinander ab, dass der Eindruck entstehen kann, sie hätten diese Zeit nicht gemeinsam verbracht.
Der Grund dafür liegt darin, dass wir das Leben durch individuell geprägte Filter wahrnehmen. Diese entstehen aus unseren bisherigen Erfahrungen und daraus, wie wir Situationen im Laufe unseres Lebens erlebt und verarbeitet haben. Solche inneren Prägungen beeinflussen, worauf wir achten, was wir ausblenden und wie wir Ereignisse deuten, oft ganz unbewusst.
Positive Effekte von Achtsamkeit
Durch Achtsamkeitsübungen können wir nicht nur mehr Entspannung in unser Leben bringen, sondern auch unsere Selbstwahrnehmung schulen und bewusster erleben, wie wir das Außen und das Innen erfahren.
- Steigerung des physischen und seelischen Wohlbefindens durch Entspannung
- Besserer Umgang mit stressigen Situationen
- Fokussierung auf das Wesentliche, mehr Konzentration und Klarheit
- Mehr Ruhe und Gelassenheit
- Stärkere Verbundenheit mit dem, was wir emotional fühlen und körperlich empfinden
Einige Übungen zum Ausprobieren:
- Bewusst gehen: Gehen Sie langsam und erspüren Sie Ihren Körper. Welche Muskeln spannen sich wann und wie an?
- Tief durchatmen: Atmen Sie bewusst tief ein und so langsam wie möglich aus. Legen Sie eine Hand auf den Bauch und nehmen Sie Ihre Atembewegung wahr.
- Musik bewusst hören: Achten Sie auf die Stille hinter den Klängen und nehmen Sie Rhythmus und Klang bewusst wahr.
- Nichtstun: Beobachten Sie, was in diesem Moment passiert. Was können Sie hören, riechen oder fühlen?
- Bewusst essen: Nehmen Sie wahr, wie sich das Essen anfühlt – kalt oder warm, weich oder fest, welche Form und welchen Geschmack es hat.
- Gewohnte Tätigkeiten neu erleben: Stellen Sie sich vor, Sie tun alltägliche Dinge so, als würden Sie sie zum ersten Mal machen.
Fazit
Achtsamkeitstraining wirkt sich positiv auf unser geistiges und körperliches Wohlbefinden aus. Es kann dazu beitragen, das Leben bewusster, intensiver und gelassener zu erleben und jedem Moment mehr Tiefe zu geben. Viele Menschen berichten, dass sie dadurch die Schönheit und das „Wunder“ des Alltags neu wahrnehmen. Darüber hinaus verändert sich nicht nur der Umgang mit anderen, sondern vor allem der Umgang mit sich selbst, sodass gute Vorsätze nicht bloße Absichten bleiben, sondern durch gelebte Achtsamkeit das eigene Leben nachhaltig bereichern.
Autor: Dr. Alexander Mücke (Diplom-Sportlehrer und Naturheilpraktiker für Psychotherapie, Abteilungsleiter Rückentherapie)